55 / MARE NOSTRUM


Negotiating European Values and Ideas in the Mediterranean

4 – 8 September 2017   print this page

Course directors:

Tomislav Zelić, University of Zadar, Croatia
Jure Zovko, University of Zadar, Croatia
Florian Kläger, University of Bayreuth, Germany
Martin Ruehl, University of Cambridge, United Kingdom
Alfred Sproede, University of Münster, Germany
Martina Gabriele Wagner-Egelhaaf, University of Münster, Germany


Course description:

When Paul Valéry wrote his Essay on “La crise de l’esprit” in 1919 by which he addressed the crisis of the European mind he depicted the Eastern part of the Mediterreanean Sea as a ‘sort of pré-Europe’. “Les Celtes, les Slaves, les peuples germaniques; ont subi l’enchantement de la plus noble des mers; une sorte de tropisme invincible, s’exerçant pendant des siècles, a donc fait de ce basin aux formes admirable l’objet du désir universel et le lieu de la plus grande activité humaine”(P. Valéry, Oevres 1, 1957, 1005). For centuries the Mediterranean Sea has been a space of transcultural exchange. Today we face the Mediterranean Sea as a mass grave for thousands of refugees aiming for Europe where they hope to find better living conditions. Europe, however, closes its borders. The course will investigate in a historical and theoretical perspective the role of the Mediterranean Sea for the development of Europe as a cultural idea and political entity. We will read and discuss philosophical and literary texts and essays (e.g. by Ficino, Shakespeare, Novalis, Nietzsche, Valéry, Derrida, Agamben) in order to better understand the contemporary developments – and especially the importance of the Mediterranean for the future (of) Europe.

*Students who would like to merit ECTS credits should give a paper

Kursbeschreibung:

Als Paul Valéry im Jahr 1919 seinen Essay “Die Krise des Geistes“ schrieb, mit dem er, gewissermaßen selbstredend, die Krise des europäischen Geistes adressierte, bezeichnete er den östlichen Teil des Mittelmeers als „eine Art Voreuropa“: „Die Kelten, die Slawen, die germanischen Völker verspürten den Zauber dieses vornehmsten der Meere. Eine unwiderstehliche Art von Tropismus nach dem Süden, die jahrhundertelang anhielt, hat also das Mittelmeer mit seiner wunderbaren Form zum Gegenstand allgemeiner Begierde und zum Schauplatz größter menschlicher Kraftentfaltung werden lassen“ (Paul Valéry, „Die Krise des Geistes“, in: ders., Werke, hg. v. Jürgen Schmidt-Radefeld, Bd. 7, Frankfurt a. M., Leipzig 1995, 26-54, 43f.). Jahrhundertelang war das Mittelmeer ein Raum kulturellen Austauschs und für europäische Reisende ein touristischer Sehnsuchtsort. Heute müssen wir miterleben, wie das Mittelmeer zum Grab für tausende von Flüchtlingen geworden ist, die nach Europa aufgebrochen sind, wo sie hofften, bessere Lebensbedingungen zu finden. Und wir erleben mit, wie dieses Europa, das seinerseits zum Sehnsuchtsort für geflüchtete Menschen geworden ist, seine Grenzen schließt. Der Kurs wird in einer historischen und theoretischen Perspektive die Rolle des Mittelmeers für die Entwicklung Europas als kulturgeschichtliche Idee und differente Einheit untersuchen. Der Mittelmeerraum soll als ein Raum in den Blick genommen werden, in dem europäische Identität und Werte im Kontakt mit gleich mehreren ‚Anderen‘ ausgehandelt wurden und werden. Diese ‚Anderen‘ (Kleinasien/Naher Osten, Nordafrika) gilt es selbstverständlich voneinander zu unterscheiden. Wir wollen danach fragen, wie das Mittelmeer als Kontaktzone Europa herausfordert, sein ‚Eigenes‘, sein ‚wir/unser‘ zu bestimmen. Welche Vorstellungen von Selbst und Anderem, welche Werte treten dabei zutage, und welche Darstellungsformen erweisen sich als prägend für die Art und Weise, wie Identität verhandelt wird? Gelesen werden im Kurs v.a. literarische und philosophische Texte und Essays (u.a. Ficino, Shakespeare, Novalis, Nietzsche, Valéry, Derrida, Agamben), um mit ihrer Hilfe und vor ihrem Hintergrund die gegenwärtigen Entwicklungen – und nicht zuletzt auch die Bedeutung des Mittelmeers für die Zukunft Europas besser zu verstehen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen aber auch die Möglichkeit haben, eigene Forschungsprojekte zu präsentieren. Jeder der fünf Kurstage soll einer historischen Epoche gewidmet werden: 1. Tag: Antike, 2. Tag: Mittelalter/Frühe Neuzeit, 3. Tag: 18./19. Jhdt., 4. Tag: Gegenwart, 5. Tag: Fazit mit Ausblicken.


Course lecturers:

Tomislav Zelić, University of Zadar, Croatia
Jure Zovko, University of Zadar, Croatia
Florian Kläger, University of Bayreuth, Germany
Martin Ruehl, University of Cambridge, United Kingdom
Alfred Sproede, University of Münster, Germany
Martina Gabriele Wagner-Egelhaaf, University of Münster, Germany